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Im Frühjahr 1946 beantragt der Journalist Dr. Herbert Gross bei den britischen Militärbehörden die Lizenz für die Herausgabe einer Wirtschaftszeitung. Er bekommt die Lizenz mit der Auflage, dass die Zeitung frei von nationalsozialistischem Gedankengut bleibt und für die Demokratie und ein friedliches Zusammenspiel von Arbeit und Kapital eintritt. Da es an Papier mangelt, dürfen wöchentlich nur 10.000 Exemplare mit nicht mehr als acht Seiten gedruckt werden. Die Veröffentlichung von Anzeigen wird nicht erlaubt.
Am 16. Mai 1946 erscheint die erste Ausgabe des „Handelsblatts“. Zwar ist der Vertrieb auf die britische Besatzungszone beschränkt, doch darüber setzt sich die Handelsblatt-Mannschaft rasch hinweg, denn die Zeitung ist in der Reichsmarkzeit heiß begehrt - mancherorts aber nicht nur des Inhalts, sondern auch des Papiers wegen, das heißt, als Verpackungsmaterial.
Die Ära Gross endet nach wenigen Monaten. Zum Jahresende 1946 gibt er seine Lizenz zurück. Angeblich spielt das – nie bestätigte – Gerücht eine Rolle, Gross habe während seiner Korrespondententätigkeit in den USA Wirtschaftsspionage betrieben. Vermutlich ist es aber die wiederholte harte Kritik des ersten Herausgebers an den alliierten Demontageplänen und seine liberale Grundhaltung, welche die seit 1945 regierende Labour-Partei und insbesondere den Deutschlandminister John Hynd, einen ehemaligen Gewerkschaftsfunktionär, stören. Allerdings ändert sich nach dem Ausscheiden von Herbert Gross weder etwas an der liberalen Grundhaltung des Blattes noch an der kritischen Beurteilung der Demontagepolitik und anderer alliierter Maßnahmen. Gross bleibt dem Blatt als freier Autor verbunden und er macht den Begriff „Marketing“ in Deutschland bekannt.
Neuer Lizenznehmer wird der Gründungschefredakteur des „Handelsblatts“ Dr. Friedrich Vogel. Die Briten, in deren Heimat die Labour-Partei regiert, wollen nun aber noch einen zweiten Lizenznehmer. In dem Bestreben „Kapital und Arbeit zu versöhnen“, wird der zweite Lizenznehmer im gewerkschaftsnahen Bereich gesucht. Gefunden wird der Wirtschaftsprüfer Dr. Erich Potthoff, der seit 1946 im Dienste des DGB steht, für diesen in Köln ein wirtschaftswissenschaftliches Institut aufbaute und bis 1949 leitet. Potthoff schreibt regelmäßig eine Kolumne in der Zeitung, außerdem trägt er maßgeblich zur Gründung der Zeitschrift "DER BETRIEB" bei, deren erste Ausgabe im Januar 1948, also noch vor der Währungsreform, erscheint.
Nachdem sich die Papierzuteilungen schon 1947 bessern, können Anzeigen veröffentlicht und die Auflage erhöht werden. Absatzprobleme gibt es in den ersten Nachkriegsjahren keine. Einen Einbruch bringt dann aber die Währungsreform. Die neue D-Mark ist knapp. Zudem taucht Ende Oktober ein Wettbewerber auf: der „Industriekurier“. Dieser sieht sich als Nachfolger der vor dem Kriege erschienenen „Deutsche Bergwerks-Zeitung“.
1949 scheidet Potthoff aus dem Verlag aus, um andere Aufgaben im Gewerkschaftsbereich zu übernehmen. Er bleibt aber vor allem dem „DER BETRIEB“ treu, in dem er über Jahrzehnte wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht. Da 1949 die Lizenzpflicht, die Zensur und andere Auflagen wegfallen, ist Vogel nun alleiniger Inhaber der Zeitung.
Die ersten Jahrzehnte der „Handelsblatt GmbH“ sind geprägt durch die Entwicklung der Zeitung, die ab 1949 dreimal pro Woche und ab 1959 börsentäglich erscheint. Neben der Zeitung werden mehr und mehr Fachzeitschriften entwickelt: Zum „DER BETRIEB“ kommen 1949 die „Chemische Industrie“, 1951 „Wirtschaft und Wettbewerb“, 1956 die „Atomwirtschaft“ und 1958 die „Absatzwirtschaft“, sowie zahlreiche andere kleinere Titel.
Im Jahre 1961 verändert sich das äußere Bild des „Handelsblatts“. Insbesondere werden mehr Bilder, Fotos und dann auch Karikaturen aufgenommen. 1964 übernimmt das „Handelsblatt“ die „Deutsche Zeitung“, ein ebenfalls 1946 gegründetes Wirtschaftsblatt. Die „Deutsche Zeitung“ bleibt bis 1970 Untertitel des „Handelsblatts“.
Die große Zäsur in der Geschichte des Verlags kommt 1969. Dr. Friedrich Vogel, mittlerweile 67 Jahre alt und ohne Nachkommen, nimmt Georg von Holtzbrinck als Partner auf. Zunächst als Minderheitsgesellschafter, aber mit der Maßgabe, ihm auf Dauer den gesamten Verlag zu übergeben.
Mit dem neuen, finanzstarken Partner von Holtzbrinck beginnt eine neue Zeit. Der erste Schritt: 1970 wird der Konkurrent "Industriekurier" übernommen.
Mit Georg von Holtzbrinck, der seinen Sohn Dieter in die „Handelsblatt“-Geschäftsführung entsendet, gibt es rasch weitere Veränderungen. 1974 wird die „WirtschaftsWoche“ gekauft. Damit steigt der Verlag ins Magazingeschäft ein. Dieses wird dann 1977 mit dem Kauf der Zeitschrift „DM“ verstärkt. Mit dem 1979 übernommenen „Schäffer-Verlag“ und dem 1983 erworbenen „Verlag Wirtschaft & Finanzen“ wird das Verlagsprogramm noch erweitert.
Das Jahr 1983 bringt für den Verlag erhebliche Veränderungen: Ein neues Verlagshaus in der Kasernenstraße wird bezogen. Gleichzeitig verändert die Zeitung ihr Gesicht, ihr Format sowie den Druckort. Vom kleinen rheinischen wird auf das größere nordische Format gewechselt, anstelle des traditionellen sechsspaltigen Umbruchs gibt es nun sieben Textspalten.
Neuer Druckort wird Neu-Isenburg bei Frankfurt. Von Frankfurt aus sind viele Leser schneller zu erreichen als vom bisherigen Druckort Düsseldorf. Nach dem ersten großen Auflagenschub binnen fünf Jahren von 44 000 auf 78 000, der der Fusion mit dem „Industriekurier“ gefolgt war, wächst die Auflage nun – ebenfalls innerhalb von fünf Jahren – von knapp 85 000 auf über 120 000 Exemplare.
Gleichzeitig geht die Entwicklung in den anderen Verlagsbereichen weiter. 1984 erscheint die „zfbf Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Fragen“ der Schmalenbach-Gesellschaft erstmals im Verlag. Im gleichen Jahr erfolgt der Einstieg in die elektronischen Medien: „Genios“, der „German Network Information Online Service“ startet.
Im Blick auf neue, junge Leser kommt dann 1987 die „JUNGE karriere“ heraus. Daneben wird die Gründung einer eigenen Journalistenschule vorbereitet: Die „Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten“ startet 1988. Im gleichen Jahr beteiligt sich der Verlag an dem „VDI-Verlag“, in dem die Wochenzeitung „VDI nachrichten“ erscheint. Ein weiterer Meilenstein für den Fachverlag ist dann 1990 der Erwerb des „LPV LEBENSMITTEL PRAXIS Verlag Neuwied GmbH“. Dieser übernimmt seinerseits 1995 den „Verlag für Fachzeitschriften“ in Wien, in dem die Zeitschrift "REGAL" erscheint. Angesicht der immer breiter werdenden Aktivitäten wird die „Handelsblatt GmbH“ 1991 in „Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH“ umbenannt.
Die beiden Flaggschiffe, das „Handelsblatt“ und die „WirtschaftsWoche“ werden in den 90er Jahren im Design gründlich überarbeitet - das „Handelsblatt“ zunächst 1994 und dann erneut 1997. Um dem wachsenden Interesse der Leser am Börsengeschehen entgegenzukommen, wird die Finanzzeitung erheblich ausgeweitet. Gleichzeitig werden mit neuen Sonderseiten auch neue Themen angegangen, beispielsweise mit der Seite „Unternehmen Sport“.
Im Blick auf einen neuen Wettbewerber, die „Financial Times Deutschland“, die für 1999 angekündigt ist, aber erst Anfang 2000 auf den Markt kommt, werden die Redaktion und das Korrespondentennetz erheblich verstärkt. Außerdem wird die Zeitung inhaltlich weiter ausgebaut, äußerlich noch farbiger und moderner.
Ein ganz neues, zusätzliches Angebot stellen dann die „Handelsblatt News am Abend“ dar, die ab 1996 am Spätnachmittag kostenlos in der Business Class der Lufthansa verteilt werden. Im Format DIN-A 4 werden die bis zum Redaktionsschluss um 14 Uhr gesammelten Informationen über Politik, Wirtschaft und die Börsen präsentiert.
1996 erscheint auch eine ganz neue „WirtschaftsWoche“, deren Layout ein amerikanischer Artdirektor entworfen hat. Inhaltlich wandelt sich die „WirtschaftsWoche“ vom Fachmagazin zu einem modernen Wirtschaftsmagazin.
In den späten 90er Jahren gehen dann – beginnend mit „Handelsblatt“, „WirtschaftsWoche“ und „DM“ – zahlreiche Objekte des Verlags mit ihrem Informationsangebot auch in das Internet. Im Jahr 2000 werden die Internetaktivitäten dann in der „Handelsblatt Online AG“ zusammengefasst und ins Unternehmen integriert. Auch die Verlagsgruppe Handelsblatt setzt nun auf die Begeisterung am Internet und das Interesse der Börsen an den Aktien der neuen Internetunternehmen.
Im Jahr 2000 platzt jedoch die sogenannte „Dotcom-Blase“. Den vormals steigenden Börsenkursen folgt ein Kurseinbruch, der zunächst die Internetfirmen, dann aber auch andere Aktiengesellschaften erfasste. Der Anschlag auf das Word Trade Center in New York am 11. September 2001 lässt die Kurse weiter fallen.
Die negative Entwicklung an den Börsen wirkt sich auch auf die Presse, vor allem auf die Wirtschaftstitel aus. Die Anzeigen und auch die Auflagen gehen zurück. Die Verlagsgruppe stellt eines ihrer jüngsten Zeitschriftenprojekte, die „Telebörse“, nach kurzer Zeit wieder ein. Die frühere „DM“, mittlerweile in „Euro“ umgetauft, wird an ein anderes Verlagshaus veräußert. 2004 wird dann mit dem „new investor“, der viermal pro Jahr dem „Handelsblatt“ und der „WirtschaftsWoche“ beigelegt wird, ein neues anlegerorientiertes Blatt auf den Markt gebracht.
Während sich die Flaggschiffe „Handelsblatt“ und „WirtschaftsWoche“ nach der Jahrtausendwende zunächst schwächer entwickeln, setzt der Geschäftsbereich Fachmedien seine stete Entwicklung fort. Nachdem 1999 der „Finanz-Betrieb“ gegründet und 2000 der „H&T-Verlag“ übernommen wurde, folgten zwischen 2005 und 2008 Beteiligungen an der „Verlagsgruppe Deutscher Verkehrs-Verlag“, dem „BBE Verlag“ und an der „B+P Management Forum GmbH“. Gleichzeitig wird das Portfolio an Zeitschriften ständig größer. Unter anderem mit den Zeitschriften „Der Arbeitgeber“, „Personal“, „Der Aufsichtsrat“ , „Steuerjournal“, „OrganisationsEntwicklung“ und das „Pharma Marketing-Journal“. Außerdem wird die Verlagsgruppe 2003 Mehrheitsgesellschafter der „corps. Corporate Publishing Services GmbH“ und steigt am 1. Januar 2005 bei der „BELLEVUE AND MORE GmbH“ ein, die am 1. Februar 2011 zu 100% übernommen wird.
2006 werden „corps“ und der „H&T-Verlag“ verschmolzen, außerdem wird die Mehrheit am führenden polnischen Wirtschafts- und Finanzportal „Money.pl“ übernommen“. Ein Jahr später beteiligt sich die Verlagsgruppe an der „Verlag Dr. Otto Schmidt KG“. Die Tochter „LPV Lebensmittel Praxis Verlag“ steigt in den polnischen Verlag „Wydawnictwo Gospodarcze“ ein. Die jüngsten Beteiligungen umfassen seit 2008 die „B+P Management Forum GmbH“ und die „Semigator AG“.
Im Zeitungs- und Magazinbereich verlegt die „WirtschaftsWoche“ 2006 mit großem Erfolg ihren Erscheinungstag vom Donnerstag auf den Montag. Das Wochenmagazin positioniert sich damit noch profilierter als das Nachrichtenmagazin im Wirtschaftssegment. Und das „Handelsblatt“ überarbeitet 2008 seinen Internetauftritt unter „handelsblatt.com“ zum Web-Portal für die Anleger und Entscheider.
Im Jahr 2009 übernimmt Verleger Dieter von Holtzbrinck die Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH, die er zusammen mit der Berliner Tagesspiegel-Gruppe und einer 50-prozentigen Beteiligung am Hamburger Zeit-Verlag in der von ihm gegründeten Familiengesellschaft DvH Medien GmbH führt.
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